Medienbericht Lesezeit 5 min
BMW Open 2026: Live als Pflicht, Reichweite als Kür
Ein Ü-Wagen, drei Regien, 20 Kameras – und eine Cloud-Distribution, die dem Veranstalter mehr Reichweite bringt als der klassische Live-Betrieb. mebucom war beim ATP-500-Turnier in München vor Ort.
Seit die BMW Open by Bitpanda als ATP-500-Turnier gespielt werden, muss jeder Court ein TV-fähiges Bild liefern, sobald ein Spieler ihn betritt – über sieben Tage, im „followed by“-Spielplan ohne feste Anspielzeiten. Host Broadcaster und produktionstechnischer Lead ist die best boys tv-factory im Auftrag von MMP Event, das Equipment stellt TV SKYLINE mit dem Ü7.
Center Court, Court 1 und Court 2 entstehen in 1080i/50 aus drei Regien, Court 3 läuft als Backup-Feed. Vier abgehende Videofeeds, zehn Tonfeeds aus zwei Tonregien, rund 7,5 Kilometer Glasfaser auf dem Gelände: Weil die Anlage des MTTC Iphitos am Englischen Garten klein ist, sitzt die Produktion im benachbarten ehemaligen Max-Planck-Institut.
20 Kameras, 60 EVS-Kanäle
An den drei TV-Courts arbeiten 20 Grass Valley LDX 98 – Führungskameras, tiefe Spielerstudien am Netz, eine Ultra-Motion in der Mitte, zwei Super-Motions über Kreuz an den Außenlinien und eine RF-Kamera für Walk-ons. Für Zeitlupen stehen 60 Kanäle auf fünf EVS VIA bereit, der Ton läuft komplett in Stereo auf einem Lawo MC²56.
Die globale Verteilung übernimmt nicht ein Cloud-Aggregator, sondern das ATP-eigene Glasfasernetz: 20 HD-SDI-Signale gehen per Appear X20 nach London, 40 weitere bleiben auf dem Gelände – für Electronic Line Calling, Video Review und die LED-Flächen. 60 Signalwege, und das ohne zweiten Ü-Wagen auf dem Compound.
„Hier machen wir live, weil wir es für die Signale der Live-Partner machen müssen. Das ist die Basisarbeit. Die eigentliche Frage ist, was on top dazukommt: Wie geht man mit dem Content um?“
Der Hebel liegt in der Cloud
Alle Spiele stehen rund 20 Minuten nach Spielende als High-Resolution-Mitschnitt auf der Contentplattform scoopa – segmentiert nach Sätzen und Ballwechseln, inklusive Highlight-Roughcuts und integriertem Browser-Editor für akkreditierte Medienpartner. ARD, ZDF und RTL beziehen ihre Zusammenfassungen ausschließlich aus der Cloud, ein Live-Signal nehmen sie nicht mehr ab. Über automatisierte EVS-Direct-Cloud-Ingest-Workflows landen Ultra-Motion-Clips ohne manuellen Eingriff im richtigen Match – und damit binnen Minuten auf der LED-Wand im Sky-Studio.
Sky, Eurosport, ProSieben MAXX und Joyn reisen ohne eigenes Outside Broadcasting an und produzieren komplette Studio-Sendungen per LiveU über die von best boys bereitgestellten Netze. Dazu liefert ein fünfköpfiges Content-Team täglich kuratierte Highlight-Pakete, deutsch kommentierte News-Edits und Social-Content, nativ in 9:16 gedreht statt aus 16:9 gerechnet.
Das Ergebnis dieser Strategie ist messbar: Von rund 100 Millionen Kontakten 2014 ist das Turnier auf über zwei Milliarden Kontakte gewachsen. 64 Personen stehen vor Ort dahinter. Für 2027 ist die nächste Ausbaustufe beschlossen – Court 3 wird vollwertiger TV-Court mit eigener Regie.
Der vollständige Artikel von Niklas Eckstein ist am 21.05.2026 bei mebucom erschienen und steht als PDF zum Download bereit.
Mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers.